Mitglieder berichten: Beitrag von Beat Haas





Das Dampfschiff «Stadt Luzern» -  Flaggschiff der Flotte

Das Dampfschiff «Stadt Luzern» wurde von den Gebrüdern Sachsenberg in Rosslau an der Elbe gebaut und im Jahre 1928/29 in Betrieb genommen.
Das Flaggschiff ist seit Jahren über die Mittagszeit auf einem Hauptkurs nach Flüelen im Einsatz. Es ist der einzige der heutigen fünf Raddampfer der den Alpnachersee, infolge der früheren Hochspannungsleitung nördlich der damaligen Drehbrücke bei der Acheregg-Enge und der ab 1963/64 dem Strassen- und Schienenverkehr als durchgehend festgebaute Brücke, nie befahren konnte.
 
 

Eine Aufnahme aus den sechziger Jahren. Ein für Schweizer-Massstäbe völlig anderes Schiff aus deutscher Werft. (Ansichtskarte: Archiv Beat Haas)
 
Aufnahme aus den sechziger Jahren. Man beachte die Position der Kommandostände gegenüber der heutigen Anordnung. (Ansichtskarte: Archiv Beat Haas)
     
 

Markantes Kamin, hochseemässige Luftfänger und hohe Masten; eine imposante Erscheinung.





Seit der Einfführung der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee im Jahre 1837; das dritte Dampfschiff mit dem Namen «Stadt Luzern».
     
 

Ausladung auf der Steuerbordseite beim Vorschiff. Man beachte die breite Gallerie.

Eine grosse Anzahl an gedeckten und geschützen Plätze für die Erstklass- und Zweitklasspassagiere wurde bereits beim Bau dieses Dampfers zur Bedingung. Das führte gegenüber den bisher auf Schweizer Gewässer in Betrieb genommenen Raddampfer zu einer etwas anderen Konstruktion.
 
 

Blick auf die vier Brennertrommeln und Oelpumpe mit Verteilung.

Fahrstand mit Fahrhebel zum Manöverieren der Maschine. Schwarzes kleines Drehrad zur Regulierung der Einblasedampfmenge für die Kesselbefeuerung. Hauptölreservoir und fünf Manometer für die Dampfdruckanzeige an verschiedenen Positionen, Steueröldruck und Vakuum. Die Bedienung der Maschine erfordert viel Erfahrung und Konzentration, denn die verschieden Oeldrucke müssen genau stimmen.
 
 

Fahrventil und Dampfzuleitung; vorne in der Bildmitte ist der Backbord-Kondensator ersichtlich. Das Fahrventil regelt den Dampfdruck. Gut hörbar ist die Drosselung beim Anfahren als "tsch, tsch, tsch".




Umsetzungsgetriebe beim rechten Wellenlager bei welchem unter anderem die drei Steuerschieber untergebracht sind. Rechts teilweise im Bild der Schnellläufer-Dampfmotor mit welchem auch die Oeldruckpumpe unter Betriebsdruck gesetzt wird.
 

 

Ventilbügel kurbelseitig. Kolbenstange beim rechten Zylinder, Kreuzkopf beim mittleren Zylinder. Die Ventilbügel besorgen die Dampfverteilung in den Zylindern.
 
Blick auf das Zylindermittelstück und den Vakuum-Zerstörer.
     
 

Ventilbügel und Damfpleitungen zu den Einlassventilen deckelseitig. Leitungen für Druck- Steuer- und Ablauföl. Der graue Behälter links im Bild ist der Steuerbordkondensator.
 
Das Schiff hat eine Länge von 63.65 m; eine Breite von 15.20 m. Das Eigengewicht beträgt 410,5  t unbeladen. Der Dampfer hat sehr grosse Angriffsflächen. Bei Sturm fordert das Schiff sehr viel  Einführungsvermögen und Geschicklichkeit. Käpitäne und Schiffsführer achten auf Strömungen, Windrichtungen und Windstärken.
     



Die Luftfänger vor dem Kamin führen Frischluft in den Maschinenraum. Bei Hochseeschiffen, welche längere Zeit unterwegs sind und somit die Windrichtungen langfristig drehen können, können auch die Luftfänger gedreht werden. Solche drehbaren Luftfänger hat die Erbauerfirma Gebrüder Sachsenberg, serienmässig auch beim Dampfschiff «Stadt Luzern» aufgesetzt. Der tiefe und dumpfe Ton aus der Dampfpfeiffe erinnert ebenfalls an die grossen Ozeanliner.
 
     
 
     
Liebevoll angebrachte Dekorelemente im Erstklass-Salon. Im Bild Pilaster mit Volutenkapitell. Doppelte Sitznische beim Kaminschacht auf dem Oberdeck.
 
 
 
Beide Bilder zeigen das stolze Flaggschiff «Stadt Luzern» kurz vor der Station Flüelen.
 

Das Flaggschiff bietet Platz für 1‘200 Personen und beinhaltet zwei stilistisch verschiedene Salons und zwei Restaurants. Ein Raddampfer welcher schiffsbautechnisch und insbesondere maschinenbautechnisch heute weltweit eine Rarität ist.

Bericht und Bilder: Beat Haas